Jens Wolpers ist seit Jahren in der rechten Szene, insbesondere im Umfeld von Johannes Welge unterwegs. Er ist in der Rechtsrockszene zu verorten. An Kundgebungen und ähnlichem beteiligt er sich nicht. Bei Saufgelagen, Liederabenden und Partys der extremen Rechten, ist er jedoch Stammgast. Seine rechtsextreme Gesinnung trägt er durch T-Shirts und Musik zum Ausdruck.
Jens Wolpers, Martin Schüttpelz und UnbekanntJens Wolpers und Johannes WelgeLinks: Jens Wolpers, Rechts Johannes Welge
Oliver Thomas Ralf Schmidt (Jahrgang 1988) kommt aus Alfeld und ist Angehöriger der lokalen Neonaziszene. Zunächst im NPD Kreisverband Oberweser aktiv, betätigte er sich zuletzt vor allem an Aktionen der Partei Die Rechte. So bereiste er gemeinsam mit anderen Neonazis aus dem Raum Alfeld im Jahre 2022 mehrere Neonazi-Veranstaltungen in Hildesheim und Braunschweig. Auch ist er mit dem Hildesheimer NPDler Marcus Griese befreundet, mit dem er in eine Kneipenschlägerei verwickelt war, bei denen die Nazis Andersdenkende im Bierstall angegriffen haben. Zuletzt ist er durch seine Beteiligung an mindestens einem Infostand der AfD am 13.9.2025 in Elze aufgefallen.
Von Links: OIiver Schmidt, Aljoscha Raschke, Pierre Bauer, Joshua Grothaus, Unbekannt
19.03.2022 Nazidemo in Braunschweig: Alfelder Nazis zusammen mit dem bekannten Nazischläger Pierre Bauer aus BS.
Oliver Schmidt nahm am 1.5.2024 an einem Naziaufmarsch in Celle teil
Am 1.5.2024 besuchte er eine Nazidemonstration der NPD Hamburg und Die Rechte in Celle. Hier lief er neben einem Teilnehmer, der den Hitlergruß zeigte.
Oliver Schmidt an einem Infostand der AFD am 13.09.2025 in Elze
Oliver Schmidt arbeitet als Betreuung/Alltagshilfe im sozialen Bereich bei wechselnden Arbeitgebern wie der Caritas.
Matthias (Matze) Jünemann lebt in Barienrode ein ganz ruhiges, bürgerliches Leben, führt die Autowerkstatt „Multiparts“ und bringt sich ins Dorfleben ein. Gleichzeitig ist er aber auch seit Jahren auf rechten Veranstaltungen zu finden.
Spätestens seit 2016 ist Jünemann mal mehr, mal weniger aktiv in der rechten Szene in Hildesheim. 2016 war er Anführer der Bürgerinitiative Hildesheim (BIH), welche anti-muslimische Mahnwachen auf dem Markplatz abhielt, an der sich auch Neonazis beteiligten. Im selben Jahr war Jünemann dann auch mit der BIH in Berlin auf einer Großdemonstration „Merkel muss weg“ zu finden, wo er auch vor Neonazis posierte. Anschließend trat er für den Kreis Diekholzen bei der Kommunalwahl an.
Matthias Jünemann
Jahrelang war Jünemann dann von der Bildfläche verschwunden, um zu Zeiten der Pandemie bei den Querdenkern Anschluss zu finden und sich zu reaktivieren. Dabei ist festzustellen, dass er sich immer weiter radikalisierte und ideologisch mittlerweile bei den Reichsbürgern einzuordnen ist.
Nachdem er eine Zeit lang auch bei den Hildesheimer Querdenken Veranstaltungen auftauchte und auch aggressiv gegenüber linken Gegendemonstrant*innen auftrat, sind diese ihm mittlerweile anscheinend nicht extrem genug, weshalb er gerne auch auswärts fährt. So war er etwa mit Maik Juhe am 26.11.2022 in Leipzig bei der Großdemonstration der extrem rechten und verschwörungstheoretischen Szene, die von Jürgen Elsässer unter dem Motto „Ami go Home“ angemeldet wurde. Außerdem besuchte er die Reichsbürger-Proteste an der B1 bei Groß Lafferde.
Regelmäßig lässt Jünemann in seiner Autowerkstatt Veranstaltungen der Reichsbürgerszene durchführen.
Jünemann (rechts) mit Maik Juhe am 26.11.2022 in LeipzigMatthias Jünemann beim Reichsbürger-Protest an der B1 bei Groß Lafferde am 31.12.2022Jünemann mit Neonazis in BerlinMatthias Jünemann engagiert sich im örtlichen Fussballverein
Johannes Welge stammt aus Braunschweig, lebte in seiner Jugend als Punker in der Wohnung seiner Großmutter in der Sonnenstraße in Braunschweig. Aus dem Punk wurde ein Neonazi, der in der „Kameradschaft38“ und den „Freien Nationalisten Niedersachen Ost“ mitmischte. Mit seiner Ex-Frau und ebenfalls Faschistin Lisa hat er zwei Kinder, sowie einen Hund mit denen er ein Haus in Almstedt bewohnte. Nach der Trennung 2019 lebte Johannes Welge allein und bewohnte fortan eine Wohnung in Bad Salzdetfurth. Lisa zog mit den Kindern in die Nähe von Karlsruhe und begann dort ein neues Leben mit dem AfD Mandatsträger Georg Albus als Partner.
Ab Dezember 2020 ist Johannes Welge wieder in das Haus in Almstedt gezogen, für das er keine Miete zahlen muss. Auch in Braunschweig kann Johannes auf mehrere Immobilien seines Vater zugreifen. Auch sein regelmäßiges Einkommen bezieht Welge nicht aus Lohnarbeit, sondern vom Vater. Weil er keine Zeit mit Arbeit verschwenden muss, nutzt er diese sinnvoll für Glücksspiel und Alkoholismus. Auch seine Kameraden beehren ihn gern in Almstedt auf einen Umtrunk. Die Immobilie in Almstedt wird auch gern von der Naziszene für Liederabende, Partys und sogar Parteitage genutzt. Mit seiner neuen Freundin Gina Born hat er ein Kind gezeugt, bekommt von seinen anderen Töchtern aus erster Ehe gelegentlich Besuch.
Zunächst beteiligte er sich 2019 an der 1. Mai Kundgebung der extrem rechten Kampfsportgruppe Adrenalin BS in Braunschweig, am Wahlkampf der Partei „Die Rechte“ zur Europawahl im Mai 2019, sowie am Naziaufmarsch des Dieter Riefling am 18.05.2019 in Hildesheim. Weil Riefling unfähig war „Die Rechte“ in Hildesheim aufzuziehen und lediglich 17 Personen zu seiner monatelang beworbenen Demonstration bekam, übernahm Welge das Zepter.
Er war Versammlungsleiter der Nazikundgebung am 27.7.19 in Hildesheim und organisierte das Gründungstreffen des neuen Kreisverbands von „Die Rechte“ in Almstedt. Es folgten Infostände, Besuche bundesweiter Demonstrationen, sowie ein regelrechter Wahn an Kundgebungen, Infoständen und Demonstrationen in 2020 und 2021 in Braunschweig. Er ist nicht nur formal Vorsitzender des Kreisverbandes und stellv. Vorsitzender in Niedersachsen, sondern auch tatsächlich Treibkraft und Einpeitscher der Gruppe.
Mit Geburt des neuen Kindes und der erneuten Auflösung des Kreisverbands von „Die Rechte“, ist auch Welges Aktivität in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Er fährt auf Szeneevents und Konzerte, hegt weiterhin gute Kontakte in die Naziszene und lädt weiterhin zu Feiern ein. Aktuell ist mit dem Umbau von Immobilien am Frankfurter Platz in Braunschweig beschäftigt, die ihm sein Vater zur verfügung stellt. Hier wohnen bereits mehrere Neonazis, außerdem betreibt Lasse Richei im Dachgeschoss ein extrem rechtes Tattoostudio.
Die Neonazis Lasse Richei und Johannes WelgeJohannes Welge und Martin Schüttpelz im Ersepark mit Gleichgesinnten
Aljoscha Raschke (Joschi) aus Hildesheim/Alfeld war bei DIE RECHTE aktiv und besuchte eine Zeit lang fast jede Kundgebung in Hildesheim und Braunschweig.
Aljoscha Raschke am 27.03.21 in Braunschweig als Ordner auf Nazidemo
Er hielt sich bei DIE RECHTE zwar eher im Hintergrund, war jedoch seit Neugründung des Kreisverbands bei den Kundgebungen und Infoständen in Hildesheim jedes Mal dabei. Er reiste auch regelmäßig nach Braunschweig, um dort bei Kundgebungen und Demos mitzumachen.
Shakehands mit Johannes Welge, Aljoscha Raschke auf Nazidemo in Braunschweig am 26.6.202119.03.2022 Nazidemo in Braunschweig: Oliver Schmidt, Unbekannt, Aljoscha Raschka, Joshua GrothausBei einem Die Rechte Infostand in Hildesheim am 30.11.2019
Der von Sozialleistungen lebende Marcus Griese (Jahrgang 1970) ist langjähriger Angehöriger der Hildesheimer Neonaziszene. Er lebt in der Hildesheimer Neustadt. In erster Linie in der NPD beheimatet, verbreitet er schon lange rechte Propaganda in Hildesheim. Er ist für seinen schwarzen Mantel und eine Kette mit schwarzer Sonne Emblem bekannt. In jüngster Vergangenheit beteiligte er sich an zahlreichen Demonstrationen der extrem rechten Szene, insbesondere von „Die Rechte“ in Braunschweig. Außerdem beteiligte er sich an einem Treffen von Nazikadern, die in Abspaltung zur Partei „Heimat“ die alte NPD aufrechterhalten wollen.
Marcus Griese, unten rechts bei dem NPD Treffen zusammen mit langjährigen Kadern
In Hildesheim treibt er sich gern in Kneipen herum, stand zuletzt auch zusammen mit Oliver Schmidt wegen eines Übergriffes in der Kneipe Bierstall vor Gericht. Hier hatte er mit Reizgas andersdenkende Personen angegriffen. Generell gilt Marcus Griese als extrem leicht reizbar und aggressiv.
Martin Kiese (Braunschweig) und Marcus GrieseMarcus Griese auf Querdenken Aufmarsch in Hildesheim am 27.4.2024
Der Neonazi Rene Scholtyssek (Scholli) ist schon seit mindestens 2007 in Hildesheim aktiv und gilt als Ziehkind des Hildesheimer Nazikaders Dieter Riefling. So findet man ihn auf Bildern und in Recherchen von früher immer wieder. Er arbeitet bei Kaufland in der Getränkeabteilung.
Von 2014 bis 2016 beteiligte er sich an Aktivitäten der Gruppe DIE RECHTE, danach an der Legion Hildesheim, der Bürgerwehr Hildesheim, sowie Szeneveranstaltungen der extremen Rechten.
Am 1. Mai 2019 beteiligte er sich an einer extrem rechten Kundgebung von Adrenalin BS in Braunschweig.
Am 27.07.2019 nahm er in Hildesheim an der Kundgebung und dem Gründungstreffen der Partei Die Rechte teil. Er besuchte auch Aufmärsche der Partei in Einbeck und Kassel.
Johannes Welge, Rene Scholtyssek, Aljoscha Raschke, Michael Weiß am 27.7.2019 in HildesheimRene Scholtyssek pöbelte am 01.05.2025 die DGB Kundgebung am Hildesheimer Hauptbahnhof an und filmte sich dabeiPhillip Meibaum, Rene Scholtyssek, Robert Zingler, Dieter Riefling bei Nazistöraktion gegen einen Vortrag im Gewerkschaftshaus 2010
Am kommenden Samstag den 27.04 mobilisiert die „Rote Linie Hildesheim“ zu einem bundesweiten Aufmarsch nach Hildesheim. Um einen Überblick über die Organisation zu verschaffen, haben wir ein paar Informationen zusammen getragen:
Zum Aufmarsch:
Die Versammlung beginnt um 13 Uhr am Angoulemeplatz unweit des Hildesheimer Hbf. Es können zwischen 200-400 Personen erwartet werden, die nach der Auftaktkundgebung einen sehr langen Marsch durch die Stadt veranstalten werden, eine genaue Route ist noch nicht bekannt. Die Moderation soll von „Sven und Andre (Bielefeld steht auf)“ gemacht werden. Mehrere Trommelgruppen wie die extrem rechten „Oberhavelner Trommler“ sind zu erwarten. Als Highlight auf der Bühne wird der Musiker Esteban Cortez beworben. Bei der letzten Veranstaltung traten auch vereinzelt Neonazis in Erscheinung. Außerdem sind mehrere Fotograf*innen angekündigt, die sicherlich auch versuchen werden, den Gegenprotest abzufilmen.
Die Orga:
Die Rote Linie Hildesheim umfasst im Chat 100 Personen, auf der Straße etwa 30-50 Personen und im Orgateam etwa 10 Personen. Jeden Montagabend läuft die Rote Linie durch die Hildesheimer Innenstadt. Sie starten jeweils um 18.00 Uhr am Zuckerhut und enden am Hindenburgplatz. Ein Großteil der Teilnehmenden reist dazu jeden Montag in Autos aus dem Landkreis HI, H und PE an. Im Anschluss des Spazierganges findet sich das Kernteam in einer Gaststätte in der Wollenweberstraße zur Besprechung ein. Zusätzlich zu den Montagsspaziergängen in Hildesheim gibt es eine enge Vernetzung zur Roten Linie Hannover, an deren Märschen sich die Hildesheimer*innen wiederum regelmäßig beteiligen. Über die Montagsspaziergänge hinaus hat die Gruppe versucht sich bei den Bauernprotesten anzubiedern. Zudem beteiligte sich die Rote Linie Hildesheim an einer Friedensdemo zu Ostern in Bockenem.
Eine neue Art der Veranstaltung fand zum ersten Mal am 13.04.2024 auf dem Angoulemeplatz statt: Die „Galerie der Aufklärung“. Dabei handelt es sich um eine Art Ausstellung, die es so auch schon in anderen Städten gibt. Aufgehängte Infozettel, Bilder und Schilder sollen so die kruden Verschwörungstheorien der Querdenkenbewegung in der Stadt präsent machen.
Personalstruktur:
Wir wollen die Führungsfiguren der Gruppe, die sich nun seit langer Zeit beteiligen und insbesondere durch ihren rechten Einschlag in der Gruppe auffallen, gern präsentieren:
Robin Schröder
Die Führungsfigur der Hildesheimer Roten Linie HI bis 2025 ist Robin Schröder aus Diekholzen. Dieser trat bislang als Anmelder in Erscheinung und produziert auch die Videos der Gruppe, die auf Youtube und Telegram verbreitet werden. Er kann aktuell als organisatorische Führungsfigur angesehen werden, so wird auch in dem Gruppenchat deutlich: Was Robin Schröder sagt, ist Gesetz. Während in ihrer Gesamtheit die Rote Linie Hildesheim nicht homogen rechtsextreme Positionen vertritt, lenkt Schröder den Diskurs deutlich in Richtung Queerfeindlichkeit, Demokratiefeindlichkeit, Russlandfreundschaft, Rassismus und Antisemitismus.
Robin Schröder
Ingo Bittner
Als enger Vertrauter und ebenfalls sehr aktives Mitglieder mit Aggressionsproblem kann Ingo Bittner aus Hannover angesehen werden. Dieser ist insbesondere für das Einschüchtern von Journalist*innen und Gegenprotest bekannt. Vor kurzen musste er sich aufgrund eines gefälschten Maskenbefreiungsattestes vor dem Amtsgericht Hannover verantworten.
Ingo Bittner
Anja Sucker
Ebenfalls aus Hannover und im Führungskreis der Roten Linie Hildesheim ist Anja Sucker. Sie ist bei nahezu sämtlichen Aktionen zugegen und hatte insbesondere bei der „Galerie der Aufklärung“ eine Führungsrolle in der Organisation übernommen.
Anja Sucker
Stefan Schmidt
Der Dachdecker Stefan Schmidt aus Hildesheim ist seit Beginn der Gruppenaktivität dabei und fährt auch gern auf Aufmärsche der Szene in andere Städte.
Rechts: Stefan Schmidt
Ralph Jaskolla
Ralph Jaskolla aus der Nordstadt fällt schon seit Längerem durch sein aggressives Verhalten auf. Schon vor einigen Jahren attackierte er junge Aktivist*innen im Gegenprotest mit einer Metallstange. Mittlerweile zeigt sich seine rechte Gesinnung auch durch Aufkleber und Sprüche immer deutlicher.
Ralph Jaskolla
Von den Querdenker*innen gehen immer wieder Bedrohungen aus. Sie drangsalieren regelmäßig linke Personen auf offener Straße. Bei einer Klimademo von Fridays for Future 2023 machten sie Aufnahmen von den Demonstrierenden, anscheinend als Versuch einer Art Anti Antifa. Außerdem versuchten sie im November 2023 eine linke Veranstaltung zu stören und zu provozieren, konnten aber davon abgehalten werden.
Ausblick:
Die Gruppe hat eine gefestigte und funktionierende Orgastruktur und eine Infrastruktur mit Fahrzeugen, Schildern, Kameras und Propaganda, die es ihnen ermöglicht weiterhin ihren Aktivitäten nachzugehen. Seit Beginn der Querdenkenbewegung in Hildesheim im Jahr 2020 haben sich die Teilnehmer*innen immer weiter radikalisiert. Mittlerweile finden sich hier eindeutig nicht mehr nur rechte, sondern klar rechtsextreme Inhalte sowohl in internen Telegramgruppen als auch auf ihren Demonstrationen. Immer wieder laufen auch organisierte Neonazis bei den Aufmärschen in Hildesheim mit.
In diesem Artikel wollen wir uns dem Spektrum der Reichsbürger widmen und beleuchten, welche Strukturen und Personen in Hildesheim eine Rolle spielen. Die vorgestellten Gruppen eint die gemeinsame Vorstellung, das deutsche Kaiserreich würde in seinen Grenzen und Gesetzen der Reichsgründung von 1871 bzw. 1937 weiter bestehen. Sie lehnen die Gesetze und Verfassung der Bundesrepublik konsequent ab und bedienen sich Ideologieelementen des Monarchismus, Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus, Rassismus, Esoterik und der Holocaustleugnung. Die Szene der Reichsbürger gilt als zersplittert und die Organisierung findet in kleineren sektenähnlichen Strukturen statt. Im Folgenden sollen die uns bekannten Hildesheimer Ableger vorgestellt werden.
Querdenker werden zu Reichsbürgern
Der aktuell wohl aktivste Teil an Reichsbürgern in Hildesheim kommt aus der Querdenkenszene. Einzelpersonen und lose Zusammenschlüsse von Verschwörungsideolog*innen steigerten sich im Laufe der Coronapandemie in eine Welt der falschen Tatsachen und Verschwörungsmythen. So fällt der in Hildesheim verbliebene Rest der Pandemieleugner durch immer extremere Inhalte rechten, esoterischen und antidemokratischen Gedankenguts auf. Die wohl bekannteste Führungsfigur ist der alfelder Ex-Polizist Michael Fritsch, welcher für die Querdenken-Partei „Die Basis“ auf Listenplatz 1 in Niedersachsen für den Bundestag kandidierte. Auch bei ihm konnte eine zunehmende Radikalisierung vom Querdenker hin zum Reichsbürger beobachtet werden, bis er schließlich im Rahmen der bundesweiten Razzien mehrerer Geheimdienste zur Reichsbürgergruppe um Heinrich Reuß Anfang Dezember festgenommen wurde.
Michael Fritsch als Kandidat für die Querdenken-Partei „Die Basis“ zur Bundestagswahl 2021 Foto: Alfelder Zeitung
Doch im Sumpf der Hildesheimer Querdenken-Bewegung tun sich auch andere Einzelpersonen hervor. Bereits bei den Hildesheimer Montagsspaziergängen ist eine Gruppe aufgefallen, die besonders aggressiv auftrat und in den Telegram Chats rechte Inhalte platzierte. Tecwyn Williams wurde bereits mehrfach von uns in Bezug auf rechte Impfgegner erwähnt. Ebenfalls zu nennen sind Matthias Jünemann und Maik Juhe. Derzeit treten die beiden öfter auf verschiedenen Veranstaltungen der Querdenker, neuen Rechten und Reichsbürgerszene auf. So besuchten sie beispielsweise gemeinsam eine Demonstration der neuen Rechten um Jürgen Elsässer unter dem Motto „Ami go home“ am 26.11.2022 in Leipzig.
Maik Juhe (Links) und Matthias Jünemann auf einer rechten Demonstration in Leipzig
1871 Friedensboten – B1
Die Reichsbürger der Gruppe „1871 Friedensboten“ hatten das Format des stillen Protestes für sich entdeckt. Dabei stellen sie sich entlang von Bundesstraßen auf und halten ihre Fahnen in die Luft. In der Hildesheimer Region sammelten sich vom 13. November 2021 bis 2024 samstagmittags Reichsbürger aus Süd-Ost Niedersachsen an der B1 bei Groß Lafferde. Dabei standen die etwa 10 Personen mit Reichsfahnen auf dem Radweg und winken vorbei fahrenden Autos. Als Organisator gilt der Ilseder Karl Norbert Richter.
Karl Norbert Richter aus Ilsede ist der Anführer der Truppe
Ewiger Bund und VHD
Der Ewige Bund wurde 2018 gegründet und sieht sich in dem Glauben, der Kriegs- und Belagerungszustand von 1914 würde bis heute andauern. Um Mitglied der Organisation zu werden, muss man zunächst eine Grundlagenschulung absolvieren und seine Herkunft als Deutscher mit offiziellen Papieren nachweisen. Anschließend ist man verpflichtet sich beim Vaterländischen Hilfsdienst (VHD) zu melden. Dieser ist in 24 Armeekorpsbezirke aufgeteilt, wobei Hildesheim in den Bezirk 10 – Hannover fällt.
In Hildesheim ist der Ewige Bund bisher aufgefallen, als sie Kerzen am Galgenberg zu einem Gedenktag abstellten. Etwa 10 Hildesheimer*innen scheinen sich an der Organisation zu orientieren und führten eine Versammlung am 31.7.2022 am Bismarckturm in Hildesheim durch. Aufgerufen wurde vom Ewigen Bund an den Denkmälern mit Fackeln gegen „108 Jahre Belagerungszustand“ zu demonstrieren. Außerdem fand mindestens ein Treffen des VHD in Barienrode bei Manuela Pflugmacher zu Hause statt.
Exilregierung deutsches Reich
Die 2004 gegründete Exilregierung Deutsches Reich sieht sich in Folge einer 2004 stattgefundenen „verfassungsgebenden Versammlung“ als die wirkliche Regierung. Als Reichskanzler wurde der Hildesheimer Norbert Schittke ernannt, der mittlerweile in Egenstedt (Landkreis Hildesheim) wohnhaft ist. Zuvor wohnte er in der Hildesheimer Oststadt, wo er bis zur Zwangsversteigerung der verwahrlosten Immobilie ein Kontaktbüro zur Reichsregierung betrieb. In jüngster Vergangenheit musste er sich wegen Urkundenfälschung vor dem Hildesheimer Amtsgericht verantworten, nachdem er eigene Pässe und Führerscheine verkauft hatte, wie die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtete. Er ist Betreiber der Internetseite Friedensvertrag.info, auf der er seine Dekrete und Verschwörungsmythen publik macht.
Der Reichskanzler in Uniform
Germaniten
Die Germaniten sehen sich als einen unabhängigen Staat in den Reichsgrenzen von 1937, in dem das „indigene Volk der Gemaniten“ lebe. In Hildesheim haben die Germaniten im Rahmen einer 2022 stattgefunden Vortragstour Halt gemacht. Am 27.07.2022 fand in Bad Salzdetfurth eine geschlossene Veranstaltung mit etwa 40 Teilnehmenden aus Hildesheim, Braunschweig und Hannover statt, bei der die Rednerin Uta Brüne ihre Thesen zum Besten gab.
Die Referentin Uta Brüne links mit Teilnehmenden bei einem Vortrag der Germaniten am 27.07.2022 in Bad Salzdetfurth
Aus dem Telegramkanal des KV Hildesheim/Braunschweig ließ sich am Abend des 8. Juli eine frohe Nachricht entnehmen. So gab der KV auf diesem Wege überraschend seine Auflösung bekannt. Der Vorsitzende von DIE RECHTE Christian Worch verurteilte in einem Statement die Auflösung als „einen Akt der politischen und persönlichen Feigheit“. Als Grund wird der Verrat des Inhaftierten Emanuel Pieper benannt, der zu seinem Vorteil angeblich Kameraden an den Verfassungsschutz auslieferte. Doch auch generell verschlechterte sich im letzten Jahr die Gesamtsituation für die Gruppe rund um den in Almstedt (LK Hildesheim) wohnenden Johannes August Welge zunehmend. So war zu beobachten, dass die Teilnehmenden ihrer Veranstaltungen immer weniger wurden und es immer die gleichen Gesichter waren. Einen hohen Organisationsgrad hatte die Gruppe zu keinem Zeitpunkt, so war sie für die Partei auf Bundesebene nicht mitbestimmend und wurde von den Verantwortlichen aus Dortmund auch sicher oft belächelt. Denn die Aktivitäten der Gruppe richteten sich vor allem nach den Launen des Johannes Welge, der auch auf Landesebene formal aktiv ist. Meist ging es bei den öffentlichen Aktivitäten um die Show, so gab es weniger Inhalte als Provokationen und teils absurde Auftritte der Gruppe für deren Ideen und Umsetzung zumeist Johannes Welge zu verantworten war.
Mit zunehmender Bedeutungslosigkeit griff Welge zu immer absurderen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Versuch in Braunschweig die Massen durch eine Karnevalsdemo zu begeistern scheiterte krachend.
Dem aus Braunschweig stammenden Neonazi wurden auf dieser Seite mehrere Artikel gewidmet, aus denen man den Werdegang und die tristen Lebensumstände entnehmen kann. Nun kommt es scheinbar zu seiner nächsten Niederlage und zum zweiten Male muss Welge seinen Kreisverband auflösen. Bereits von 2014 bis 2016 organisierte er als Vorsitzender gemeinsam mit seinem Kumpel Martin Schüttpelz und seiner Ex Frau Lisa Welge einen Kreisverband von Die Rechte in Hildesheim und Braunschweig. Nach einer kurzen Pause von 2 Jahren, in denen Welge von Frau und Kindern verlassen wurde, kurzzeitig in Bad Salzdetfurth wohnte und öffentlich kaum in Erscheinung trat, betätigte er sich seit dem Europawahlkampf 2019 wieder öffentlich für Die Rechte. So hing er Plakate in Hildesheim und Bad Salzdetfurth an Laternen und beteiligte sich an der von Dieter Riefling organisierten Demonstration am 18.05.2019 in Hildesheim. Kurz darauf meldete Welge in Hildesheim eine Kundgebung an, in deren Anschluss im Beisein von Vertretern der Rechten aus Dortmund, der Kreisverband Hildesheim/Braunschweig neu gegründet wurde. Seitdem lag das Hauptaugenmerk der Gruppe auf den Raum Braunschweig. Weitere wichtige Akteure waren Martin Kiese, Dominik Brandes, Achim Heide, Jan Schmidt, Pierre Bauer, sowie Melissa und Michaela Rege-Mittelstädt. In den Jahren 2019-2022 fanden etliche „Infotische„, Kundgebungen und Aufmärsche in Braunschweig statt. Nach Hildesheim verirrten sich die Rechten in seltenen Fällen, auch wenn sie nicht müde wurden dies in großen Tönen anzukündigen. Auch gelang es ihnen zu keinem Zeitpunkt nennenswerte Strukturen in Hildesheim zu etablieren. Eine kurzzeitig aktive „Anti-Antifa Hildesheim“, welche auf das Umfeld des Kreisverbands, insbesondere Achim Heide zurückgeht, war der Höhepunkt an Organisierung. Einzelne Rechte wie der Hildesheimer Ex NPDler Marcus Griese oder eine Truppe aus dem Raum Alfeld stammender Nazis um Aljoscha Raschke und Oliver Schmidt beteiligten sich zwar an den Aktionen des Kreisverbandes, waren aber nicht imstande in Hildesheim eine Organisierung zu schaffen.
Martin Kiese und Marcus Griese
Durchgehend fielen die Nazis durch das Schaffen einer aggressiven Drohkulisse in Braunschweig auf, die sich auch in Hildesheim beim Einschüchtern eines angeblichen Linken, des Gewaltsuchenden Auftretens bei einer Querdenkendemo, sowie einem Übergriff auf einen Journalisten abspielte. Auch darüber hinaus blieb es oft nicht nur bei einer Drohkulisse und so wird wegen diverser Strafverfahren gegen mehrere Mitglieder ermittelt. Dies wird neben des Versinkens in der Bedeutungslosigkeit, der Inhaltsleere, des antifaschistischen Widerstands und dem personellen Aussieben wohl der Anlass zum Auflösen am 8.7.2022 gegeben haben.
Natürlich ist dies ein Grund zu Freude, doch wie immer ist davon auszugehen, dass sich die Einzelpersonen aus der Partei weiterhin in der extremen Rechten betätigen werden oder ggf. eine neue Organisation gründen. Auch wenn sie jetzt nicht mehr unter dem Schutz einer Partei stehen, kann dies auch den Weg in ein klandestines Organisieren extrem rechter Hetze und Gewalt bereiten. Wir bleiben deshalb achtsam und werden weiterhin ein Auge auf die Akteur*innen richten.