AFD Hildesheim

Auf dieser Seite werden Neonazis und extrem rechte Strukturen öffentlich gemacht. Die Recherchen dienen dabei dem Zweck die extreme Rechte zu isolieren und deren Handlungsspielraum zu verringern. Oft handelt die extreme Rechte im Verborgenen, weil ihr Handeln strafrechtlich relevant und gesellschaftlich geächtet ist. An dieser Stelle stellt uns die AfD jedoch vor eine Herausforderung. Ihr Denken ist ebenfalls menschenverachtend, ihre Strukturen und Akteure jedoch öffentlich und erfährt kaum gesellschaftlicher Ächtung. Auf Nazimelder jede Person aus der AfD darzustellen, würde leider nicht nur unsere Kapazitäten sprengen, sondern führt auch ins Leere. Die Aktiven der AfD stehen ohnehin allesamt mit Namen und Foto auf den entsprechenden Websites der Partei. Es ist öffentlich bekannt, wer sie sind und was sie Treiben. Immer weniger Menschen finden Anstoß daran. In Bockenem hat Felix Mull als Bürgermeisterkandidat der AfD nicht trotz seines rechten Weltbildes gute Chancen zum Wahlsieg, sondern gerade deswegen.

Dennoch beobachten wir die Strukturen und Personalien der AfD genau. Wir wollen in diesem Beitrag einen groben Überblick über die AfD Hildesheim geben und Personen vorstellen, die sich insbesondere innerhalb der AfD und gleichzeitig in extrem Rechten Organisationen betätigen.

AfD Hildesheim, ein Überblick

Die Stadtratsfraktion der Hildesheimer AfD hat im Ostertor ein Büro. Die AfD sitzt seit 2016 im Hildesheimer Stadtrat, mittlerweile ebenso im Kreistag, im Stadtrat in Sarstedt und im Samtgemeinderat Leinebergland.

AfD Hildesheim Vorstand 2026
Vorne: Uwe Milte
Mitte: Shallen Fuller, Eva Althaus, Angelika Grugelke, Michael Körber
Hinten: Thorsten Althaus, Felix Mull, Mario Minkmar, Hans Martin Meyer, Andreas Böhne

Für die Kommunalwahl 2026 kandidiert sie für weitere Räte und speziell auch um das Amt des Bürgermeisters in Bockenem und Lamspringe. Die Partei war in Hildesheim immer dem rechten Flügel zuzuordnen und hatte nie Berührungsängste mit Neonazis. Der Stadtratsabgeordnete Michael Körber war 2020 beispielsweise bei der ersten Kundgebung gegen die Maßnahmen zur Covid-Bekämpfung (damals von einem FDPler organisiert) zusammen mit Johannes Welge anwesend. Bei einem Infostand der AfD am 17.10.2025 beteiligten sich extrem rechte tschetschenische Nationalisten unter Führung des Noah Krieger (Murat Dadaev). Bei einem Infostand der AfD in Elze am 13.09.2025 beteiligt sich der Neonazi Oliver Schmidt

Der Neonazi Noah Krieger (Murat Dadaev) im AfD Pavillon im Gespräch mit Shaleen Fuller am 17.10.2025 in Hildesheim
Der Neonazi Oliver Schmidt beim
AFD Infostand in Elze am 13.09.2025

Bisher war die AfD in Hildesheim eher ein trostloser Haufen aus alten Männern. Ihre Aktivitäten beschränkten sich auf Infostände zu Wahlen oder Veranstaltungen in Gasthöfen (gerne im Gasthaus Ohms in Heinde). Da wurde dann auch „Prominenz“ eingeladen, also Landtags oder Bundestagsabgeordnete. 

In letzter Zeit haben sich einige junge AfDlerinnen dazu gesellt, die mehr Energie in den Laden bringen. Die Anzahl der Infostände, vor allem in den Dörfern rund um Hildesheim, hat 2025 stark zugenommen. Auffallend sind vor allem die jungen Frauen, die öffentlichkeitswirksam über Social Media für die AfD Hildesheim werben. 

Shaleen Fuller ist davon sicherlich die bekannteste. 1998 geboren ist sie aufgewachsen in Banteln bei Gronau. Sie ist seit 2025 auch im Vorstand der AfD Hildesheim als jugendpolitische Sprecherin aktiv, vor allem aber versucht sie sich online Reichweite aufzubauen. Bei der Gründung der AfD Jugend in Gießen im November 2025 erlangte sie kurz zweifelhafte Bekanntheit, als sie unter dem projizierten Schriftzug “Hitlerjugend” tanzte. Außerdem läuft derzeit (Juni 2026) ein Strafverfahren wegen Billigung von Straftaten, weil sie das Verbreiten einer verbotenen SA Parole durch Björn Höcke auf Instagram unterstützte.

Die Schwestern Maja und Letizia Lins wollen gerne auch auf den Influencerinnen-Zug aufspringen und posten unter rasende_rebellen“ (vormals „the.right_stuff”) auf Instagram Videos. Sie sind Anfang 20, kommen aus Bad Salzdetfurth. Beide studieren Lehramt in Hannover. Ihr Content ist eine Mischung aus TikTok Trends rechtsgedreht und Tradwife-Roleplay. Dabei fällt auf, dass sie zwar versuchen lustigen Content zu produzieren, die politische Botschaften aber sehr plakativ und rechtsextrem sind. Hinterm Berg halten sie mit ihren Ansichten nicht. Auch in real life sind sie sehr umtriebig, z.B. waren sie mit Shaleen bei der Neugründung der AfD Jugend in Gießen dabei. Eins ihrer Lieblingsthemen ist es auch, gegen das Recht auf Abtreibung zu hetzen und ein rückständiges Frauenbild zu propagieren, weshalb sie auch bei Lukreta aktiv sind. Diese Gruppe wurde 2019 gegründet und befindet sich im Umfeld von AfD und Identitärer Bewegung. Sie machen auf Tradwifes und sind einfach als queerfeindlich, frauenfeindlich und rassistisch zu verstehen. Ebenfalls Mitglied von Lukreta und der AfD in Hildesheim ist Jula Sophie Knieke. Sie war für Hildesheim als Delegierte auf dem Gründungstreffen der Generation Deutschland Niedersachsen in Brettorf im Januar 2026. Auch sie verbreitet in ihren Social-Media-Kanälen neben AfD Werbung extrem rechte Propaganda.

AfD Hildesheim Vorstand Thorsten und Eva Althaus, Mario Minkmar und Shaleen Fuller gemeinsam mit den extrem rechten Schwestern Maja und Letizia Links von Lukreta

Oliver Schmidt

Oliver Thomas Ralf Schmidt (Jahrgang 1988) kommt aus Alfeld und ist Angehöriger der lokalen Neonaziszene. Zunächst im NPD Kreisverband Oberweser aktiv, betätigte er sich zuletzt vor allem an Aktionen der Partei Die Rechte. So bereiste er gemeinsam mit anderen Neonazis aus dem Raum Alfeld im Jahre 2022 mehrere Neonazi-Veranstaltungen in Hildesheim und Braunschweig. Auch ist er mit dem Hildesheimer NPDler Marcus Griese befreundet, mit dem er in eine Kneipenschlägerei verwickelt war, bei denen die Nazis Andersdenkende im Bierstall angegriffen haben. Zuletzt ist er durch seine Beteiligung an mindestens einem Infostand der AfD am 13.9.2025 in Elze aufgefallen.

Von Links: OIiver Schmidt, Aljoscha Raschke, Pierre Bauer, Joshua Grothaus, Unbekannt

19.03.2022 Nazidemo in Braunschweig: Alfelder Nazis zusammen mit dem bekannten Nazischläger Pierre Bauer aus BS.

Oliver Schmidt nahm am 1.5.2024 an einem Naziaufmarsch in Celle teil

Am 1.5.2024 besuchte er eine Nazidemonstration der NPD Hamburg und Die Rechte in Celle. Hier lief er neben einem Teilnehmer, der den Hitlergruß zeigte. 

Oliver Schmidt an einem Infostand der AFD am 13.09.2025 in Elze

Oliver Schmidt arbeitet als Betreuung/Alltagshilfe im sozialen Bereich bei wechselnden Arbeitgebern wie der Caritas.

Aljoscha Raschke

Aljoscha Raschke (Joschi) aus Hildesheim/Alfeld war bei DIE RECHTE aktiv und besuchte eine Zeit lang fast jede Kundgebung in Hildesheim und Braunschweig.

Aljoscha Raschke am 27.03.21 in Braunschweig als Ordner auf Nazidemo

Er hielt sich bei DIE RECHTE zwar eher im Hintergrund, war jedoch seit Neugründung des Kreisverbands bei den Kundgebungen und Infoständen in Hildesheim jedes Mal dabei. Er reiste auch regelmäßig nach Braunschweig, um dort bei Kundgebungen und Demos mitzumachen.

Shakehands mit Johannes Welge, Aljoscha Raschke auf Nazidemo in Braunschweig am 26.6.2021
19.03.2022 Nazidemo in Braunschweig: Oliver Schmidt, Unbekannt, Aljoscha Raschka, Joshua Grothaus
Bei einem Die Rechte Infostand in Hildesheim am 30.11.2019

Die Rechte löst KV auf

Aus dem Telegramkanal des KV Hildesheim/Braunschweig ließ sich am Abend des 8. Juli eine frohe Nachricht entnehmen. So gab der KV auf diesem Wege überraschend seine Auflösung bekannt. Der Vorsitzende von DIE RECHTE Christian Worch verurteilte in einem Statement die Auflösung als „einen Akt der politischen und persönlichen Feigheit“. Als Grund wird der Verrat des Inhaftierten Emanuel Pieper benannt, der zu seinem Vorteil angeblich Kameraden an den Verfassungsschutz auslieferte. Doch auch generell verschlechterte sich im letzten Jahr die Gesamtsituation für die Gruppe rund um den in Almstedt (LK Hildesheim) wohnenden Johannes August Welge zunehmend. So war zu beobachten, dass die Teilnehmenden ihrer Veranstaltungen immer weniger wurden und es immer die gleichen Gesichter waren. Einen hohen Organisationsgrad hatte die Gruppe zu keinem Zeitpunkt, so war sie für die Partei auf Bundesebene nicht mitbestimmend und wurde von den Verantwortlichen aus Dortmund auch sicher oft belächelt. Denn die Aktivitäten der Gruppe richteten sich vor allem nach den Launen des Johannes Welge, der auch auf Landesebene formal aktiv ist. Meist ging es bei den öffentlichen Aktivitäten um die Show, so gab es weniger Inhalte als Provokationen und teils absurde Auftritte der Gruppe für deren Ideen und Umsetzung zumeist Johannes Welge zu verantworten war.

Mit zunehmender Bedeutungslosigkeit griff Welge zu immer absurderen Mitteln, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Versuch in Braunschweig die Massen durch eine Karnevalsdemo zu begeistern scheiterte krachend.

Dem aus Braunschweig stammenden Neonazi wurden auf dieser Seite mehrere Artikel gewidmet, aus denen man den Werdegang und die tristen Lebensumstände entnehmen kann. Nun kommt es scheinbar zu seiner nächsten Niederlage und zum zweiten Male muss Welge seinen Kreisverband auflösen. Bereits von 2014 bis 2016 organisierte er als Vorsitzender gemeinsam mit seinem Kumpel Martin Schüttpelz und seiner Ex Frau Lisa Welge einen Kreisverband von Die Rechte in Hildesheim und Braunschweig. Nach einer kurzen Pause von 2 Jahren, in denen Welge von Frau und Kindern verlassen wurde, kurzzeitig in Bad Salzdetfurth wohnte und öffentlich kaum in Erscheinung trat, betätigte er sich seit dem Europawahlkampf 2019 wieder öffentlich für Die Rechte. So hing er Plakate in Hildesheim und Bad Salzdetfurth an Laternen und beteiligte sich an der von Dieter Riefling organisierten Demonstration am 18.05.2019 in Hildesheim. Kurz darauf meldete Welge in Hildesheim eine Kundgebung an, in deren Anschluss im Beisein von Vertretern der Rechten aus Dortmund, der Kreisverband Hildesheim/Braunschweig neu gegründet wurde. Seitdem lag das Hauptaugenmerk der Gruppe auf den Raum Braunschweig. Weitere wichtige Akteure waren Martin Kiese, Dominik Brandes, Achim Heide, Jan Schmidt, Pierre Bauer, sowie Melissa und Michaela Rege-Mittelstädt. In den Jahren 2019-2022 fanden etliche „Infotische„, Kundgebungen und Aufmärsche in Braunschweig statt. Nach Hildesheim verirrten sich die Rechten in seltenen Fällen, auch wenn sie nicht müde wurden dies in großen Tönen anzukündigen. Auch gelang es ihnen zu keinem Zeitpunkt nennenswerte Strukturen in Hildesheim zu etablieren. Eine kurzzeitig aktive „Anti-Antifa Hildesheim“, welche auf das Umfeld des Kreisverbands, insbesondere Achim Heide zurückgeht, war der Höhepunkt an Organisierung. Einzelne Rechte wie der Hildesheimer Ex NPDler Marcus Griese oder eine Truppe aus dem Raum Alfeld stammender Nazis um Aljoscha Raschke und Oliver Schmidt beteiligten sich zwar an den Aktionen des Kreisverbandes, waren aber nicht imstande in Hildesheim eine Organisierung zu schaffen.

Martin Kiese und Marcus Griese

Durchgehend fielen die Nazis durch das Schaffen einer aggressiven Drohkulisse in Braunschweig auf, die sich auch in Hildesheim beim Einschüchtern eines angeblichen Linken, des Gewaltsuchenden Auftretens bei einer Querdenkendemo, sowie einem Übergriff auf einen Journalisten abspielte. Auch darüber hinaus blieb es oft nicht nur bei einer Drohkulisse und so wird wegen diverser Strafverfahren gegen mehrere Mitglieder ermittelt. Dies wird neben des Versinkens in der Bedeutungslosigkeit, der Inhaltsleere, des antifaschistischen Widerstands und dem personellen Aussieben wohl der Anlass zum Auflösen am 8.7.2022 gegeben haben.

Natürlich ist dies ein Grund zu Freude, doch wie immer ist davon auszugehen, dass sich die Einzelpersonen aus der Partei weiterhin in der extremen Rechten betätigen werden oder ggf. eine neue Organisation gründen. Auch wenn sie jetzt nicht mehr unter dem Schutz einer Partei stehen, kann dies auch den Weg in ein klandestines Organisieren extrem rechter Hetze und Gewalt bereiten. Wir bleiben deshalb achtsam und werden weiterhin ein Auge auf die Akteur*innen richten.

Querdenken Proteste HI

Wir dokumentieren die jüngsten Entwicklungen hinsichtlich der Hildesheimer „Querdenken“ Szene. In einem älteren Beitrag finden sich weitere Infos zu Struktur und Ausrichtung der Hildesheimer Querdenker.

Angemeldet und angeführt von Heidi Bolduan aus der Nordstadt finden seit Monaten jeden Samstag Demonstrationen der Hildesheimer Querdenker Szene statt. Es wird jeden Samstag um 14 Uhr am Hbf gestartet und mit 20-50 Personen eine kleine Runde durch die Innenstadt gelaufen, wobei für „die Rechte unserer Kinder“ demonstriert wird. Besondere Außenwirkung hat die Gruppe nicht. Im Kern sind es auch jeden Samstag die gleichen Personen. Als aggressiv fällt im Rahmen dieser Proteste immer wieder der ehemalige Volksschullehrer Tecwyn Williams auf.

Tecwyn Williams

Eine größere Mobilisierung blieb bisher aus, doch Anfang Dezember 2021 konnten die Querdenker noch einmal einen Erfolg erzielen. Die samstäglichen Spaziergänge wurden immer mehr zum Flop, zuletzt (24.12) waren nur noch 11 Personen anwesend. Stattdessen werden die Montagabende nun spannender:

Die „Freien Niedersachsen“, die ein Telegram Infokanal sind, organisieren mittlerweile in zahlreichen Städten und Dörfern im Landkreis Hildesheim Montagsspaziergänge. Wir haben sämtliche Spaziergänge im Landkreis am 27.12 angeschaut und folgendes beobachtet:

1. Hildesheim:

In Hildesheim startete der „Spaziergang“ um 18.00 Uhr an der Andreaskirche. Beworben wurde auch diese Veranstaltung vorher von den „Freie Niedersachsen“. Es wurde dann erst zu Bahnhof spaziert, dann ging es weiter zum Dom. Anfangs waren etwa 150 Leute da, nachher spazierten etwa 300 insgesamt. Der Zug war relativ ruhig, einige Male gab es Rufe nach „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“. Am Dom wurden Kerzen entzündet, aber vor allem herumgestanden, ohne Masken und ohne Abstand. Die Polizei war insgesamt mit 5 Wägen vor Ort, mehr als 6 Cops standen aber nicht beim Dom herum. Die Versammlung löste sich dort nach ca. 15 Minuten auf, die Impfgegner*innen zogen in kleinen Gruppe ab. Bemerkenswert sei hier noch die Anwesenheit von 2-4 Faschos, die auch Verbindung zu „Die Rechte“ haben. Diese traten provozierend auf und versuchten, Beobachtende einzuschüchtern.

2. Sarstedt:

In Sarstedt sind die Querdenker in der Vergangenheit durch das Zeigen einer Reichsfahne und durch einen Farbangriff auf die SPD aufgefallen. Es beteiligten sich etwa 30-50 Personen, die vorwiegend Familien waren. Von einem Vorabtreffpunkt aus gingen sie gemeinsam zum Rathaus wo der Aufmarsch begann. Sie wurden von 6 Cops begleitet.

3. Nordstemmen:

In Nordstemmen wird Mittwochabends vom Rathaus aus gelaufen. Hier beteiligten sich bisher bis zu 50 Personen, wobei man sich intern streitet, ob man Maske tragen solle oder nicht.

4. Elze

In Elze wurde zum ersten Mal am 27.12 zu einem Protest am Rathaus aufgerufen. Es beteiligten sich etwa 15 Personen. Die Polizei war mit 2 Streifen vor Ort.

5. Gronau (Leine)

In Gronau fand auch am 27.12 zum ersten Mal ein Spaziergang vom Marktplatz aus statt, an dem sich etwa 25 Personen beteiligten. Die Polizei war mit 2 Streifen vor Ort.

6. Bad Salzdetfurth

In Badse wird auch bereits seit mehreren Montagen aufmarschiert. Etwa 50-100 treffen sich am Kurmittelhaus und laufen versprengt mit Lichtern durch den Ort. Einzelne unorganisierte Neonazis beteiligen sich.

7. Holle

In Holle liefen etwa 20 Personen vom Rathaus aus durch den Ort, es war ein Streifenwagen vor Ort.

8. Alfeld

In Alfeld finden schon seit längerer Zeit Corona-Proteste statt. Der Bundestagskandidat und Stimmungsmacher der Querdenker Partei „Die Basis“ Michael Fritsch, der Polizeibeamter ist, gilt hier als Anführer. Um ihn herum beteiligen sich bis zu 200 Personen an wöchentlich stattfindenden Protesten an den Leinewiesen oder dem Marktplatz. Fritsch wurde jüngst in Dresden wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er als Redner auf der Bühne eines großen Querdenken-Protestes mehrfach den Hitlergruß zeigte. Wenig überraschend ist Alfeld deshalb auch einladend für Neonazis. So beteiligten sich mehrere Faschos des KV HI/BS von Die Rechte in Alfeld am Protest. Sie wirkten sichtlich alkoholisiert und verbrachten den restlichen Abend saufend und Rechtsrock hörend vor Kaufland. Ansonsten waren etwa 150 Personen anwesend, begleitet von 3 Streifen und Zivilbeamten.

Rechts: Oliver Schmidt, Die Rechte

Außerdem finden in der Region laut Freien Niedersachsen noch Montagsspaziergänge in Duingen, Coppenbrügge und Springe statt, die wir bisher nicht dokumentieren konnten.

Neue Aktivität von „Die Rechte“

Wir dokumentieren die jüngsten Ereignisse rund um den KV Hildesheim/Braunschweig der extrem rechten Kleinstpartei „Die Rechte“ in Hildesheim.

Nachdem Antifaschist*innen am 11.9 zeitgleich zu in Braunschweig stattfindenden Kundgebungen von Die Rechte, eine Versammlung vor dem Haus des Johannes Welge abhielten, kündigte Welge an fortan in Hildesheim aktiv werden zu wollen.

Zunächst gab es einige Tage später ein Drohvideo vor dem Wohnhaus eines vermeintlichen Antifaschisten, in dem Johannes Welge und Dominic Brandes zu sehen sind.

Am 09.10 fand in Dortmund ein Aufmarsch von „Die Rechte“ statt, um an den verstorbenen Siegfried Borchardt zu gedenken. Im Anschluss daran betranken sich Johannes Welge, Dominic Brandes und René Scholtyssek im Einbecker Bierbrunnen am Hildesheimer Hauptbahnhof. Das Besäufnis ging in der Nordstadt-Kneipe „One Life“ weiter, wobei Dominic Brandes mehrfach Anwohner durch Erbrechen vor ihre Haustüre verärgerte.

Vergangenen Samstag kann man als den Höhepunkt der neuen rechten Aktivität in Hildesheim beschreiben. Mit 10 Personen wurde ein Infotisch in der Fußgängerzone vor Galeria Kaufhof von 12-13.45 durchgeführt. Dabei positionierte sich die Mehrheit der Faschisten strategisch in der gesamten Straße, um Andersdenkende zu verschrecken. Bereits hier trat die Gruppe sehr aggressiv auf.

2 Neonazis positionieren sich in einiger Entfernung zum Infotisch.

Im Anschluss an den Infotisch machte sich die Gruppe auf dem Weg zum Hildesheimer Hbf, um sich dem Querdenken Protest der in der Nordstadt lebenden Heidi Bolduan anzuschließen. Diese sah sich mit der Anwesenheit der Nazis einverstanden, sie durften am Ende des Zuges mitlaufen und am Ende sogar eine Rede halten.

Johannes Welge durfte über das Megafon des „Walk to Freedom“ eine Rede halten. Außerdem im Bild: Martin Kiese (BS), und Melissa Mittelstädt

Die Hildesheimer Allgemeine berichtete über dieses Ereignis.

1: Oliver Schmidt, 2: Jan Schmidt (BS), 3: Martin Kiese (BS), 4: Johannes Welge (Almstedt), 5: Aljoscha Raschke (Hildesheim/Alfeld), 6: Dominic Brandes (Goslar), 7: Pierre Bauer (BS), 8: Unbekannt, 9: Joshua Grothaus

Am Ende des Aufzuges kam es bei der Auflösung der Versammlung noch zu unschönen Szenen. Die Neonazis rannten grölend vom Bahnhofsvorplatz in die Bernwardstraße, wo sie Passanten schubsten und anmachten, die sie als politischen Feind ausmachten. Ein alleiniger Verkehrspolizist, der gerade eine Calzone verspeiste, wurde auf den Vorfall aufmerksam und alarmierte die Beweissicherungs und Festnahmeeinheit zur Hilfe. Die Neonazis flohen daraufhin in ein migrantisches Café, um sich vor der anrückenden Staatsmacht zu verstecken. Die BFE holte sie dort jedoch heraus und nahm die Personalien auf. Die Abreise der Neonazis erfolgte schließlich mit dem ICE nach Braunschweig.

Insgesamt machten die Rechten einen äußerst aggressiven Eindruck und versuchten gar nicht erst seriös rüber zu kommen. Sie waren zum Großteil nicht aus Hildesheim und verhielten sich entsprechend auch wie primitive Gästefans beim Fussball.

In Hildesheim war man solche Szenen seit 2015 nicht mehr gewohnt. Wie sich die Aktivitäten der Nazis weiter entwickeln, wird von uns beobachtet und dokumentiert werden. Wer die unbekannten Personen identifizieren kann, oder allgemein Infos hat, kann sich unter unserer Mail nazimelderhildesheim(@)riseup.net melden.